Testbericht Tytera MD-380

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Nov 252015
 

Untersuchung eines Tytera MD-380 Handfunkgerätes für den 70cm Bereich.

Holger Korioth, DF 6 DBF – df6dbf@darc.de

 Gekauft von mir Anfang Oktober, mein Gerät hat die SN: 1504A98699.

Das besondere ist das der Transceiver neben FM auch den ETSI-Standard Digital Mobile Radio – ETSI TS 102 361 -1 -2 -3 in der Klasse “TIER II” unterstützt und damit für unser im rasanten Aufbau befindliche DMR-Netz interessant wird. Im Gegensatz zur Hintergrundtechnik ist die “Luftschnittstelle” offen gelegt und bietet im Prinzip jedem Hersteller die Möglichkeit Geräte zu entwickeln. “Platzhirsche” sind hier Motorola und Hytera, wobei Hytera-Geräte bei Funkamateuren in der Beliebtheits-skala vorn liegen.

Das Tytera MD-380 kostet etwa 1/3 der gängigen Geräte. Schauen wir uns die elektrischen Daten einmal genau an:

IMAG1659

Empfänger gemessen mit Stabilock 4040: (433.500MHz)

Hub:
1,5kHz; 1kHz Testton

Empfindlichkeit:
0,35µV/20dB SINAD
0,18µV/12dB SINAD

Das sind durchaus überzeugende Werte die auch empfindliche Amateurfunkgeräte hinbekommen. Oft wird allerdings nur bei 6dB SINAD gemessen, dadurch wirken Empfänger empfindlicher wie sie wirklich sind. Zumal das Verhältnis Nutzsignal/Rauschen bei 6dB SINAD schon locker bei 50% liegt. Das macht keinen Spaß lange unter solchen Bedingungen zuzuhören.

RX-Bandbreite:
9,48kHz         (bei 12,5 und 25kHz Raster)

Rauschsperre:
0,12µV           (normal)
0,15µV           (stark)

Hier hätte ich mir einen größeren Abstand gewünscht. Eine deutliche Schalthysterese war nicht meßbar.

Sender gemessen mit Stabilock 4040: (433.500MHz)

Hub(max):
4,3kHz/25kHz
2,25kHz/12,5kHz

Sendeleistung:
4,2W (High)
0,6W (Low)

Frequenzfehler:
0,04kHz

Unterdrückung der 1. Harmonischen:
>59dB

Fazit: Der Sender macht das was er soll. Im Datenblatt werden 5W angegeben. Aber die 0,8W Unterschied hört niemand raus.
Einige Parameter ließen sich im Servicemenü sicherlich noch etwas anpassen. Aber ich habe bislang keinerlei Veranlassung für Veränderungen gesehen.

Sender gemessen mit Spektrumanalyzer Rohde & Schwarz ZVH4: (FM: 433.500kHz und DMR: 433.450kHz).

IMAG1652

 

Der ZVH 4 wurde zuletzt im Oktober 2015 im Werk kalibriert.

Ich habe zunächst den Sender in FM gemessen, anschließend erfolgte die Messung in DMR-Mode.
Alle Messungen erfolgten an einem Rohde& Schwarz 50 Ohm Abschlußwiderstand mit -20dB Meßausgang, der Schluckwiderstand ist mit seinen Transducerfaktoren dem ZVH4 bekannt gemacht worden.

Gemessen wurde der reine FM-Träger einmal mit 5MHz, einmal mit 1 MHz Span.

Die Messergebnisse des Stabilock 4040 der Sendeleistung konnte verfiziert werden, es sind keine Nebenträger feststellbar.

5MHz Span

Bild 1 - Tytera MD-380 Trägerleistung 5MHz Span

1 MHz Span

Bild 2 - Tytera MD-380 Trägerleistung 1MHz Span

Auch der positive Eindruck der Oberwellenmessung am Stabilock 4040 konnte mit dem Spektrumanalyzer bestätigt werden. Die Harmonischen sind ausreichend unterdrückt.

Bild 3 - Tytera MD-380 Harmonische

Die belegte Bandbreite ( Vergleiche maximaler Hub) in FM (25kHz-Raster) und FM-N (12,5kHz) deckt sich ebenfalls mit den Messungen des Stabilock 4040.

Bild 4 - Tytera MD-380 Bandbreite 25kHz

Bild 5 - Tytera MD-380 Bandbreite 12-5kHz

Kommen wir nun zur Messung der Sendeleistung. Das ist bei TDMA-Signalen nicht so ganz einfach weil immer nur in einem Zeitschlitz gesendet wird. Es wird daher die maximale Spitzenleistung der Hüllkurve (PEP = Peak Envelope Power) angegeben.

Zunächst auf traditionellem Wege mit einem Durchgangsleistungsmesser und 50 Ohm Abschlußwiderstand gemessen.

Zuerst in FM.

Bild 6 - Tytera MD-380 TX-Power FM

Dann in DMR.

Bild 7 - Tytera MD-380 TX Power DMR

Anschließend habe ich die Burst-Leistung mittels Spektrumanalyzer im Zero-Span ermittelt.Hier erkennt man bei ca. 952µS einen Peak der für die DMR-Sendeleistung von 5W PEP verantwortlich ist. Die eigentliche Burstleistung ist niedriger!

Bild 8 - Tytera MD-380 Burst-Power

Zu guter letzt noch die Messung des Phasenrauschens in FM, mangels expliziter Vorgaben (ich habe auf die Schnelle keine gefunden) habe ich das Phasenrauschen in 12,5kHz Abstand zum Träger gemessen. Auch hier schlägt sich das Tytera MD-380 gut!

Bild 9 - Tytera MD-380 Phasenrauschen TX

Und weil es ohne Sie nicht geht: Die Antennen zeigen eine recht gute Anpassung im Amateurfunkbereich, auch hier gab es schon schlechteres aus chinesischer Produktion.

Die mitgelieferte kurze Antenne.

Bild 10 - Tytera MD-380 Anpassung Antenne kurz

und die mitgelieferte lange Antenne.

Bild 11 - Tytera MD-380 Anpassung Antenne lang

Die Stromaufnahme liegt zwischen 0,05A (RX-standby) und 1,32A (Senden mit hoher Sendeleistung).

Fazit: Von der HF-Seite spricht nichts gegen den Einsatz im Amateurfunk, die Software enthält aber auch in der aktuellen Version D02.0034 Bugs und einige Unschönheiten. Die kostenlos verfügbare Codeplug-Software ist beim Editieren von Kanal- und Kontaktlisten unkomfortabel. Das ist aber auf Grund des niedrigen Preises absolut zu verschmerzen, genauso wie der fehlende 1750Hz-Rufton. Im Übrigen ist das Gerät gut verarbeitet und Zubehör ist günstig bei Bedarf nachzukaufen. Einzig das mit dem Gerät erworbene Speakermike (Nachbau des KMC von Kenwood, Retevis gelabled) gab bislang Grund zur Kritik. Das Tytera MD-380 wird auch baugleich als Retevis RT3 angeboten.

Derzeit kursieren Berichte in den einschlägigen Foren dass es zu Interferenzen zwischen beiden Zeitschlitzen kommen soll. Es soll ein Problem des verwendeten DMR-Basisband-IC HR-C5000 sein und sich beim Sendertasten, kurz PTT loslassen und schnell wieder tasten zeigen. Bei meinem Gerät konnte ich den beschriebenen Fehler nicht reproduzieren. Ich halte es für recht ungewöhnlich weil üblicherweise bei TDMA-Modes das Timing vom Umsetzer vorgegeben wird und sich alle Stationen darauf synchronisieren.  Die Messung der Burst-Leistung zeigt dass der Zeitschlitz von 30ms eingehalten wird. Diese Messung erfolgte im Simplex-Betrieb, das Funkgerät hatte hier keine Möglichkeit sich auf einen Repeater zu synchronisieren.

73s Holger, DF6DBF im November 2015

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OM Soren Poulsen, OZ2CA have converted the Test with Google Translate in English. You find the PDF-File here!